Steuer- und Abgabengeschichte
2025 erzielten die Gemeinden 76,444 Milliarden Euro Gewerbesteuer brutto; 2024 waren es 75,294 Milliarden Euro.Gewerbesteuer
Ursprung und Entwicklung
Das Gewerbesteuergesetz wurde am 1. Dezember 1936 im nationalsozialistischen Deutschland ausgefertigt; landesrechtliche Vorläufer bestanden bereits. Das BMF beschreibt die damalige Finanzpolitik als Austrocknung der Länder- und Gemeindefinanzen zugunsten des Reichs. Die reichsweite Kodifikation war damit Teil zentralisierender NS-Finanzpolitik, nicht einer Stärkung kommunaler Eigenständigkeit.
Begründung und Geltung
Sicherung kommunaler Finanzautonomie; Beteiligung der Unternehmen an lokaler Infrastruktur
Dauerhaft als wichtigste Gemeindesteuer
Realität
Die Gewerbesteuer ist keine neutrale Gewinnsteuer. Sie hängt von kommunalen Hebesätzen ab, enthält Hinzurechnungen etwa für Mieten, Leasing und Zinsen und behandelt Freiberufler grundlegend anders als Gewerbetreibende. Damit beeinflusst sie nicht nur die Höhe der Abgabe, sondern auch Standortwahl, Finanzierung und Rechtsform.
Belastungen und Kritik
Hinzurechnungen treffen auch Miete, Leasing und Fremdfinanzierung
§ 8 GewStG rechnet gesetzlich bestimmte Anteile von Schuldentgelten sowie Miet-, Pacht- und Leasingaufwendungen dem Gewinn wieder hinzu, soweit die jeweiligen Tatbestände und Grenzen erfüllt sind. Die Gewerbesteuer kann deshalb auch Finanzierungs- und Nutzungskosten teilweise erfassen. Das benachteiligt gerade kapital- oder flächenintensive Geschäftsmodelle gegenüber anderen Formen wirtschaftlicher Tätigkeit.
Quellen und Rechtsgrundlagen ↓Freiberufler-Privileg verzerrt die Gleichbehandlung ähnlicher Leistungen
Einkünfte aus tatsächlich freiberuflicher Tätigkeit nach § 18 EStG unterliegen grundsätzlich nicht der Gewerbesteuer. Ob das gilt, hängt von Tätigkeit und Organisationsform ab; bei gemischten oder gewerblich geprägten Tätigkeiten kann die Einordnung anders ausfallen. Die Grenze zwischen freiberuflicher und gewerblicher Tätigkeit schafft Abgrenzungsfragen und ungleiche Belastungen. Eine einfachere Unternehmensbesteuerung wäre aus unserer Sicht überzeugender.
Quellen und Rechtsgrundlagen ↓Hebesatzpolitik macht die Standortlast lokal hochgradig unterschiedlich
Der kommunale Hebesatz entscheidet mit darüber, wie teuer ein Standort steuerlich wird. Damit hängt ein Teil der Unternehmensbesteuerung von lokaler Haushaltspolitik ab, obwohl Wertschöpfung und Markt oft überregional sind. Das macht die Gewerbesteuer zu einem starken Standort- und Verlagerungsfaktor.
Quellen und Rechtsgrundlagen ↓Unsere Bewertung
Die Gewerbesteuer trifft Unternehmen nicht einfach nach ihrer Leistungsfähigkeit, sondern nach Gemeindehebesatz, Finanzierungsart und rechtlicher Einordnung. Sie ist damit eine strukturell verzerrende Unternehmensabgabe, nicht bloß eine kommunale Einnahmequelle.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- Gesetze im Internet — Originalquelle
- Gesetze im Internet — Originalquelle
- Gesetze im Internet — Originalquelle
- Statistisches Bundesamt — Originalquelle
- Statistisches Bundesamt — Originalquelle
- Gesetze im Internet — Originalquelle
- Gesetze im Internet — Originalquelle
- Gesetze im Internet — Originalquelle
- Gesetze im Internet — Originalquelle
- Bundesfinanzministerium — Originalquelle
Weiterklicken
Weitere Einträge und Rechner
Ähnliche Einträge sowie passende Rechner und Pflichtkosten im Überblick.
Steuern und Abgaben
Hundesteuer
Die Hundesteuer ist eine kommunale Besitzabgabe auf eine legale und alltägliche Form der Tierhaltung. Sie verlangt Geld, ohne eine konkrete Gegenleistung zuzusagen, und macht dieselbe Haltung je nach Postleitzahl unterschiedlich teuer.
Weiter →
Steuern und Abgaben
Grundsteuer
Die Grundsteuer ist eine laufende Abgabe auf Wohnen und Halten von Immobilien. Sie verteuert Eigentum dauerhaft und kann zugleich über die Nebenkosten auf Mieter durchgereicht werden — also auf Menschen, die über Hebesatz und Grundstück gar nicht verfügen.
Weiter →
Steuern und Abgaben
Konzessionsabgabe (Strom)
Die Konzessionsabgabe ist ein nicht abwählbarer kommunaler Aufschlag im Strompreis. Sie belastet Bürger über die Rechnung, obwohl sie weder auf den lokalen Netzmonopolisten noch auf die kommunale Einnahmenverwendung direkten Einfluss haben.
Weiter →
Konsum
Steuern im Alltag direkt nachrechnen
Die Rechner-Übersicht zeigt, wie sich viele dieser Abgaben konkret in Preisen niederschlagen.
Weiter →
Zwangskosten
Pflichtkosten neben der Steuer- und Abgabenchronik
Weitere staatlich erzwungene Belastungen, die nicht als klassische Steuer auftauchen.
Weiter →