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Steuer- und Abgabengeschichte

~324,0 Mrd. €/Jahr

Einkommensteuer

Eingeführt: 1891 Gesetz: Einkommensteuergesetz (EStG) Heute: 2026 bis 12.348 EUR steuerfrei, danach progressiv; 42 % ab 69.879 EUR, 45 % ab 277.826 EUR

Eingeführt

Preußen führte 1891 unter Finanzminister Johannes von Miquel die moderne Einkommensteuer mit progressivem Tarif ein. Das Prinzip: Wer mehr verdient, zahlt prozentual mehr. Der Spitzensteuersatz betrug damals 4 Prozent bei einem Jahreseinkommen von über 100.000 Mark – betraf wenige Tausend Personen im ganzen Reich.

Versprochen

Progressiver, gerechter Tarif, der automatisch an Kaufkraftveränderungen angepasst wird

Dauerhaft mit regelmäßiger Anpassung des Tarifs an die Inflation

Realität

Das zentrale Problem bleibt die kalte Progression: Steigt der Lohn nominal, greift automatisch ein höherer Tarif — selbst wenn die reale Kaufkraft kaum wächst. Der Tarif passt sich also nicht automatisch neutral an die Geldentwertung an, sondern zieht bei Lohnerhöhungen mit. 2026 beginnt die 42-Prozent-Zone bereits ab 69.879 Euro zu versteuerndem Einkommen und damit weit früher, als das Etikett "Spitzensteuersatz" vermuten lässt.

Schädliche Effekte

Kalte Progression erhöht die Last ohne offene Steuererhöhung

Weil der Tarif progressiv verläuft, frisst ein Teil nominaler Lohnerhöhungen sofort höhere Steueranteile, auch wenn diese Erhöhung nur Inflation oder allgemeinen Lohnanstieg ausgleicht. Damit braucht es keine offen beschlossene Steuererhöhung, um den staatlichen Zugriff wachsen zu lassen. Genau diese stille Mechanik macht die Einkommensteuer politisch besonders bequem.

EStG § 32a; BMF: Progressionsbericht

Hohe Grenzbelastung dämpft Mehrarbeit und Risiko

Wer Überstunden macht, eine Beförderung annimmt oder ein unternehmerisches Risiko eingeht, gibt von jedem zusätzlichen Euro schnell einen großen Teil an den Staat ab. Gerade an der Grenze zusätzlicher Leistung zählt aber nicht der Durchschnitts-, sondern der Grenzsatz. Hohe Grenzbelastungen machen Mehrarbeit damit weniger attraktiv, als der Bruttolohn vermuten lässt.

OECD Taxing Wages 2025; EStG § 32a

Fazit

Die Einkommensteuer belastet produktive Arbeit direkt und progressiv. Wenn dein Lohn nominal steigt, greift der Tarif oft schneller zu, als deine Kaufkraft wächst. So wird aus Leistung und Aufstieg nicht einfach mehr Netto, sondern oft nur ein größerer Zugriff des Staates.

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