Steuer- und Abgabengeschichte
Lohnsteuer
Ursprung und Entwicklung
Das Reichseinkommensteuergesetz von 1920 führte den Arbeitgeberabzug vom Arbeitslohn erstmals reichseinheitlich für sämtliche Arbeitsbezüge ein. Bis 1924 klebten Arbeitgeber Steuer-Quittungsmarken in die Steuerkarte; 1934 folgte die Lohnsteuer-Durchführungsverordnung, 1937 die Lohnsteuer-Richtlinien. Heute behält der Arbeitgeber die Lohnsteuer bei jeder Lohnzahlung ein.
Begründung und Geltung
Praktischer Quellenabzug auf Arbeitslohn statt großer Nachzahlungen am Jahresende
Dauerhaft als Erhebungsform der Einkommensteuer auf Arbeitslohn
Realität
Die Lohnsteuer ist keine eigene Steuer, sondern die besondere Erhebungsform der Einkommensteuer auf Arbeitslohn. Der Arbeitgeber behält sie für Rechnung des Arbeitnehmers bei jeder Lohnzahlung ein. Die Lohnsteuer wird damit jeden Monat einbehalten, bevor der Arbeitnehmer frei über seinen Lohn verfügen kann. Steuerklassen, Freibeträge, Pauschalen und Jahresausgleiche sorgen zusätzlich dafür, dass der monatliche Einbehalt nur eine Näherung bleibt. Zu viel einbehaltene Lohnsteuer kann je nach Fall durch den Lohnsteuer-Jahresausgleich des Arbeitgebers, einen Antrag oder die Einkommensteuerveranlagung korrigiert werden; in anderen Fällen kann die Veranlagung auch eine Nachzahlung ergeben.
Belastungen und Kritik
Steuerzahlung wird in die laufende Gehaltsabrechnung verlagert
Weil die Lohnsteuer direkt über die Gehaltsabrechnung abgezogen wird, erscheint der staatliche Zugriff als automatische Routine statt als bewusst wahrgenommene Zahlung. Diese Vorabbesteuerung verringert die Sichtbarkeit der Belastung und erleichtert ihre laufende Erhebung.
Quellen und Rechtsgrundlagen ↓Steuerklassen und Jahreskorrekturen erzeugen zusätzliche Bürokratie
Freibeträge, Steuerklassenwechsel, Nebenjobs, Elterngeld, Bonuszahlungen oder wechselnde Arbeitgeber führen schnell dazu, dass der monatliche Einbehalt nicht sauber zur Jahressteuer passt. Das System benötigt deshalb laufende Korrekturen, Bescheinigungen und in vielen Fällen eine nachträgliche Einkommensteuererklärung.
Quellen und Rechtsgrundlagen ↓Unsere Bewertung
Die Lohnsteuer macht aus der Einkommensteuer eine sofortige Quellenbelastung auf Arbeit. Der Staat nimmt seinen Anteil, bevor dein Netto ankommt. Was zu viel einbehalten wurde, bekommst du häufig nur mit Erklärung, Fristen und zusätzlichem Aufwand zurück.
Quellen und Rechtsgrundlagen
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